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Alt 06.09.2005, 20:00
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ZUKUNFTSVISIONEN

Google 2010

Von Thomas Hillenbrand

Chat-Software, E-Mail, personalisierte Homepages - Google bietet zunehmend Produkte an, die mit klassischer Internetsuche nichts zu tun haben. Was hat der kalifornische Internetriese vor? SPIEGEL ONLINE analysiert denkbare Szenarien.


Hamburg - Eric Schmidt wei?, dass man die Weltherrschaft nicht ?ber Nacht erringen kann. Deshalb hat sich Googles Chart zeigen Vorstandschef langfristige Ziele gesetzt. Sein Unternehmen wolle s?mtliche Informationen auf dem Planeten googelbar machen. "Das", so Schmidt unl?ngst, "wird nach gegenw?rtiger Sch?tzung 300 Jahre dauern."

Einige Zeit lang sah es so aus, als ob Google diesem Ziel langsam aber sicher n?her k?me. Bei neuen Produkten konzentrierten sich die Kalifornier auf ihre Kernkompetenz: Gro?e Datenbest?nde durchsuchen und f?r den Nutzer das Relevante herausfischen. Diese Fokussierung ist Teil der Unternehmensphilosophie: "Es ist besser, eine Sache richtig, richtig gut zu machen" statt sich auf vielen verschiedenen Feldern zu tummeln, hei?t es auf Googles Webseite.

Entsprechend hatten alle bisherigen Projekte mit dem Aufsp?ren und Sortieren von Informationen zu tun. Der E-Mail-Service Gmail etwa googelt das Postarchiv, das Programm Google Desktop durchsucht binnen Sekunden die gesamte Festplatte von PCs. Und mit dem 3D-Kartenservice Google Earth kann der Nutzer sich beispielsweise alle Chinarestaurants auf der Upper East Side anzeigen lassen.

Masterplan oder Gemischtwarenladen?

GOOGLE TALK
Google hat einen eigenen Instant- Messaging- Dienst gestartet und ist damit zum Rivalen etablierter Anbieter wie AOL, Microsoft und Yahoo geworden. Nur wenige Stunden nach Inbetriebnahme des neuen Services k?ndigte auch die Firma Skype an, ihren rasant wachsenden Dienst f?r Textbotschaften und Telefongespr?che ?ber das Internet mit neuen Funktionen auszubauen.

Google stellte gestern eine Testversion seiner Software Google Talk f?r Windows-PCs kostenlos zum Herunterladen im Internet bereit. Voraussetzung f?r die Nutzung ist ein E-Mail-Konto bei Google (Gmail). Nach Angaben des Unternehmens k?nnen auch Nutzer anderer sogenannter IM-Clients und Betriebssysteme den Dienst nutzen.

Nach Angaben von Google k?nnen die Nutzer des neuen Messaging-Dienstes auch mit Teilnehmern anderer offener Systeme wie Trillian oder Apples iChat kommunizieren. Dagegen setzen Anbieter wie AOL, Yahoo, Microsoft und Skype auf geschlossene Netzwerke, von denen einige nur mit ausgew?hlten IM-Systemen zusammengeschaltet sind.
"Google macht in Suche" hei?t es auf der Homepage. Dieser Fokus scheint dem Unternehmen auf den ersten Blick etwas abhanden gekommen zu sein: Das neueste Produkt, Google Talk (siehe Kasten) hat nichts mit Suche zu tun. Auch einige andere Angebote, wie die personalisierte Homepage passen nicht unbedingt zu einer reinrassigen Suchmaschine. Kritiker sp?tteln bereits, Google habe einfach zu viel Geld und zu viele brillante Programmierer, die wiederum zu viel Zeit h?tten.

Seit Google angek?ndigt hat, weitere Aktien im Wert von ?ber vier Milliarden Dollar an der B?rse platzieren zu wollen, wird fr?hlich spekuliert, ob das Dotcom einen Kurswechsel plant oder sich durch Zuk?ufe ein weiteres Gesch?ftsfeld erschlie?en will. Kauft Google die siechen TV-Set-Topboxen-Firma Tivo? Oder den Internet-Telefonie-Anbieter Skype? Oder ein mittelgro?es Medienunternehmen, wie Trader Classified Media?

Keine der genannten Theorien erscheint wirklich plausibel. Bisher hat Google immer wert darauf gelegt, durch selbstentwickelte Produkte zu wachsen. Wenn das Unternehmen andere Firmen aufkaufte, waren es in der Regel kleine Start-Ups mit interessanter Technologie, die Googles code monkeys dann weiterentwickelten. Schlie?t man einen Mega-Deal aus, ergeben sich verschiedene Szenarien, f?r die Zukunft:

Szenario I - Reise in die Vergangenheit

Google bietet inzwischen Suche, E-Mail, personalisierte Homepage, Instant Messaging, Bildverwaltung und Nachrichten an - dieses Rundumservice-Paket soll die Marke st?rken und den Nutzer m?glichst lange im Google-Universum binden. Das Konzept erinnert an jene Portal-Strategie, die Yahoo! und AOL Ende der neunziger Jahre verfolgten. Das Konzept verschlang Unmengen an Geld, der Erfolg war bescheiden. Zurzeit ist das Modell wieder en vogue. Medienmogul Rupert Murdoch kauft sich momentan ebenfalls ein Portal zusammen. Allen Weiner von der Unternehmensberatung Gartner glaubt, "dass sich Google eindeutig in diese Richtung bewegt". "Wir folgen keiner Portallogik", erkl?rt hingegen ein Google-Sprecher.

Szenario II - Redmond, wir kommen!

Besseres Informationsmanagement ist eine der wichtigsten Neuerungen des f?r 2006 angek?ndigten Windows-Updates Vista. Defizite gibt es reichlich: Derzeit kann Microsofts Betriebssystem Festplatten de facto nicht durchsuchen, Googles Desktop-Software findet Dateien hingegen in Sekundenschnelle. E-Mails oder Bilder zu finden ist (wenn man nicht Microsofts inzwischen erh?ltlichen MSN Desktop installiert) bei Windows ebenfalls ein hoffnungsloses Unterfangen. Mit Google geht beides ganz leicht. Google-Produktmanager Nikhil Bhatla sagte laut "Business Week" mit Hinblick auf die eigenen Softwareprodukte: "Wir versuchen, daraus eine Plattform zu schmieden." Einige Beobachter glauben deshalb, Google werde demn?chst auch einen Internetbrowser oder eine Textverarbeitung anbieten und mittelfristig ein ernsthafter Konkurrent der Gates Firma werden.


(c) by http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,371236,00.html

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